Praxis · 11.03.2026 · 4 Min Lesezeit

Hashimoto — wenn die Schilddrüse leise streikt

Hashimoto — wenn die Schilddrüse leise streikt
Auf einen Blick
Hashimoto ist die häufigste Autoimmunerkrankung — jede zehnte Frau ist betroffen. Typische Symptome, welche Laborwerte wirklich zählen und warum L-Thyroxin allein oft nicht reicht. Plus: Mikronährstoffe mit Evidenz.

Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Autoimmunerkrankung überhaupt — und die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion in Deutschland. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 10 % aller Frauen und 2 % aller Männer Antikörper gegen die eigene Schilddrüse tragen. Viele wissen es jahrelang nicht. Und wenn die Diagnose steht, reicht L-Thyroxin allein oft nicht.

Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?

Hashimoto ist eine chronische Entzündung der Schilddrüse, bei der das Immunsystem die eigenen Schilddrüsenzellen angreift. Die Folge: Die Hormonproduktion lässt langsam nach, das Organ schrumpft (selten: schwillt zunächst an). Benannt ist die Erkrankung nach dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto, der sie 1912 erstmals beschrieb.

Welche Symptome sind typisch?

Die Symptome entwickeln sich schleichend. Viele Betroffene beschreiben, dass sie erst im Rückblick verstehen, wann es begann:

Jedes einzelne dieser Symptome ist unspezifisch. Die Kombination — und vor allem eine familiäre Belastung mit Autoimmunerkrankungen — ist aber ein deutliches Signal.

Wie wird Hashimoto diagnostiziert?

Drei Bausteine:

Wichtig: Ein normales TSH schließt Hashimoto nicht aus. Im Frühstadium können die Antikörper lange erhöht sein, bevor TSH reagiert. Deshalb gehören TPO-AK und TG-AK bei entsprechenden Symptomen immer ins Labor.

Reicht L-Thyroxin alleine?

Bei manifester Unterfunktion ist L-Thyroxin unverzichtbar. Es ersetzt das fehlende Hormon. Das allein löst aber nicht die zugrundeliegende Autoimmunität — und oft auch nicht die Beschwerden. Viele Patient:innen berichten: „Mein TSH ist jetzt normal, aber mir geht es immer noch nicht gut.“

Das liegt an zwei Dingen:

Welche Rolle spielen Mikronährstoffe und Lebensstil?

In einer randomisierten Studie senkte Selen-Substitution (200 µg/Tag) die TPO-AK-Titer nach 6 Monaten um durchschnittlich 40 %.

Toulis KA et al., Thyroid 2010, Metaanalyse

Wann solltest du zur Ärztin?

Wenn du unter Hashimoto leidest und trotz korrekter L-Thyroxin-Einstellung nicht gut zurechtkommst, lohnt die Zweitmeinung mit ganzheitlichem Blick. Auch wenn du Antikörper hast, aber noch kein L-Thyroxin brauchst — gerade dann ist Mikronährstoff-Optimierung sinnvoll. Das Fenster, die Erkrankung in Schach zu halten, ist dann am weitesten offen.

Häufige Fragen

Ist Hashimoto heilbar?

Nein — Autoantikörper bleiben. Aber: Beschwerdefreiheit und normale Laborwerte sind bei guter Einstellung fast immer erreichbar. Das ist das Therapieziel.

Welche Ernährung bei Hashimoto?

Mediterran, entzündungsarm, viel Gemüse, gute Fette (Olivenöl, Omega-3), moderater Fischkonsum (Seefisch wegen Jod, aber nicht übertreiben). Industriezucker und stark verarbeitete Lebensmittel meiden.

Gluten bei Hashimoto weglassen?

Nur bei nachgewiesener Zöliakie oder Nicht-Zöliakie-Glutensensitivität. Bloße Antikörper-Erhöhung rechtfertigt keinen pauschalen Verzicht — das schränkt Lebensqualität ein, ohne klaren Nutzen.

Selen — wie viel und wie lange?

200 µg Selenomethionin pro Tag für 6 Monate, danach Antikörper-Kontrolle. Langfristige Hochdosierung nicht ohne Serum-Selen-Messung. Die Obergrenze liegt bei 300 µg/Tag.

Du hast Hashimoto und möchtest eine ärztliche Zweitmeinung mit integrativem Blick? In meiner Privatpraxis in Arnsberg nehmen wir uns für Erstgespräche 60 Minuten Zeit. Zur Warteliste →

IL
Dr. Ina Lohmann
Fachärztin · Hämato-Onkologie · Naturheilverfahren
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