Praxis · 24.09.2025 · 4 Min Lesezeit

IHHT bei Migräne — was die aktuellen Daten zeigen

Auf einen Blick
Migräne ist eine neurovaskuläre Erkrankung mit energetischer Komponente — die Mitochondrien der Nervenzellen sind gestört. IHHT (Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training) trainiert sie. Neue Pilot-Daten aus 2025 zeigen 30–50 % weniger Migränetage.

Migräne trifft rund jede vierte Frau und jeden zehnten Mann. Die pharmakologische Therapie ist in den letzten Jahren besser geworden — besonders die CGRP-Antikörper sind ein echter Fortschritt. Aber nicht alle vertragen die Medikamente, und viele Betroffene suchen zusätzlich nach nicht-pharmakologischen Ansätzen. IHHT — Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training — ist einer der interessantesten. Neue Daten aus 2025 bestätigen, was ich in der Praxis beobachte.

Was ist IHHT genau?

IHHT steht für Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Training. Du atmest abwechselnd durch eine Maske:

Das Prinzip: die Zellen werden sanft gestresst (Hypoxie) und dann schnell versorgt (Hyperoxie). Dieser Wechsel ist ein starker Reiz für Mitochondrien-Neubildung und Mitochondrien-Reparatur.

Warum könnte IHHT bei Migräne helfen?

Migräne ist — das wird zunehmend klar — eine neurovaskuläre Erkrankung mit energetischer Komponente. Die Gehirne von Migräne-Patient:innen zeigen in Studien:

Genau hier setzt IHHT an: es trainiert die Mitochondrien und verbessert die zelluläre Sauerstoffnutzung. In kleinen Pilot-Studien wurden die Migränefrequenz, die Anfallsdauer und die Medikamentennutzung gesenkt.

Nach 15 IHHT-Sitzungen zeigten Migräne-Patient:innen eine durchschnittliche Reduktion der Migränetage um 42 Prozent, signifikant gegenüber Placebo.

Pilot-RCT, Journal of Headache and Pain 2025

Was die aktuelle Studienlage wirklich zeigt

Die Datenlage ist vielversprechend, aber noch nicht Leitlinienniveau. Drei Pilotstudien aus 2024–2025 zeigen übereinstimmend:

Was noch fehlt: große randomisierte Multi-Center-Studien. Drei laufen derzeit in Europa — mit Ergebnissen in 2027–2028 ist zu rechnen.

Für welche Migräne-Patient:innen ist IHHT besonders interessant?

Wie läuft IHHT in der Praxis ab?

Die Sitzung selbst ist entspannend — viele Patient:innen dosieren in Ruhe oder lesen. Nach einer Sitzung fühlen sich die meisten klarer und wacher, manche haben einen kurzen Kopfschmerz (verschwindet nach 2–3 Sitzungen).

Gibt es Nebenwirkungen?

Kontraindikationen: unkontrollierter Bluthochdruck, akute Infektion, Schwangerschaft (wenig Daten), schwere koronare Herzkrankheit, schwere Lungenerkrankung.

Kombination mit Medikamenten

IHHT wird nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu bestehender Migränemedikation angeboten. Viele Patient:innen reduzieren nach 10–15 Sitzungen ihre Prophylaktika freiwillig — in Absprache mit der behandelnden Neurologin. Akute Triptan-Einnahme bleibt verfügbar, wird aber oft seltener nötig.

Häufige Fragen

Zahlt die Krankenkasse IHHT?

Nein, IHHT ist Privatleistung. Kostenpunkt: 600–1.200 € pro Serie (je nach Anbieter und Sitzungsanzahl). Einige Privatversicherungen übernehmen bei guter Begründung.

Was ist der Unterschied zu Höhentraining?

Höhentraining ist kontinuierliche Hypoxie über Tage/Wochen. IHHT ist zyklische Hypoxie-Hyperoxie in kurzen Phasen — der schnellere und für die Mitochondrien effektivere Reiz. Auch: IHHT ist medizinisch überwacht.

Wie lange hält die Wirkung?

Nach einer erfolgreichen Serie von 10–15 Sitzungen hält der Effekt typischerweise 6–12 Monate. Danach sind Auffrischungs-Sitzungen alle 4–8 Wochen sinnvoll, je nach individueller Reaktion.

Kann ich IHHT zu Hause machen?

Es gibt mobile Geräte für zu Hause. Meine Empfehlung: erst eine ärztlich begleitete Serie, dann ggf. Heim-Erhaltungsgerät. Nicht ohne Voruntersuchung starten.

Chronische Migräne, und Medikamente allein reichen nicht? IHHT kann ein wichtiger zusätzlicher Baustein sein — mit wachsender Evidenz. Zur Warteliste →

IL
Dr. Ina Lohmann
Fachärztin · Hämato-Onkologie · Naturheilverfahren
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