Praxis · 22.10.2025 · 3 Min Lesezeit

Akupunktur bei chronischen Schmerzen — ärztlich eingeordnet

Auf einen Blick
Akupunktur zwischen Placebo-Vorwurf und Leitlinien-Evidenz: Bei chronischen Rücken-, Nackenschmerzen, Migräne und Chemotherapie-Nebenwirkungen ist die Datenlage heute gut. Wie sie wirklich wirkt, wann sie passt und wo ihre Grenzen sind.

Akupunktur hat in der westlichen Medizin einen sonderbaren Status: einerseits von über der Hälfte aller Hausarzt-Praxen angeboten, andererseits oft als „Placebo“ belacht. Die Wahrheit liegt dazwischen. Für bestimmte Indikationen ist die Evidenz heute so solide, dass Akupunktur in internationalen Leitlinien auftaucht. Bei chronischen Schmerzen gehört sie dazu.

Wie wirkt Akupunktur aus medizinischer Sicht?

Die klassische TCM-Erklärung (Meridiane, Qi-Fluss) ist schulmedizinisch nicht belegbar. Aber die Wirkung ist messbar. Was tatsächlich passiert:

Das ist keine Esoterik. Das ist Neurophysiologie. Die TCM hat über 2.000 Jahre experimentell herausgefunden, welche Punkte wirken — die moderne Forschung zeigt uns heute den Mechanismus dahinter.

Wo ist die Evidenz wirklich gut?

Die Studienlage ist für einige Indikationen überzeugend:

Die Wirksamkeit der Akupunktur bei chronischen Schmerzen ist durch eine umfangreiche Meta-Analyse von Vickers et al. (JAMA Internal Medicine) mit über 20.000 Patient:innen eindeutig belegt.

Vickers AJ et al., JAMA Internal Medicine 2018

Wo ist die Evidenz schwächer?

Das heißt nicht, dass Akupunktur dort nutzlos ist. Nur: die Datenlage rechtfertigt keine Hauptrolle in der Therapie.

Wie läuft eine Behandlung ab?

Eine Akupunktur-Sitzung dauert typischerweise 30–45 Minuten:

Wirkt sie sofort? In wenigen Fällen ja. Bei chronischen Beschwerden rechne mit 6–10 Sitzungen, 1–2 mal wöchentlich, bevor du die volle Wirkung beurteilst.

Sind Nadeln gefährlich?

Moderne Einmal-Akupunkturnadeln sind so dünn (0,16–0,30 mm), dass das Risiko minimal ist. Sehr selten:

Wichtig: Keine Akupunktur bei Blutungsneigung (Marcumar, Eliquis in Hochdosis), offenen Hautstellen, bei bestimmten Schwangerschaftssituationen.

Akupunktur und Schulmedizin — wie zusammen?

Akupunktur ersetzt keine Diagnose. Wer mit chronischen Schmerzen kommt, braucht erst mal eine fundierte Ursachen-Abklärung: Bildgebung, Labor, neurologische Einordnung. Erst dann macht Akupunktur Sinn — und zwar als Teil einer Strategie, nicht als Alleinheilmittel.

In meiner Praxis wird Akupunktur immer eingebettet in ein Gesamtkonzept: Ursachensuche, Mikronährstoffe, ggf. Hormone, Bewegung, Psyche. Allein steht sie selten.

Häufige Fragen

Zahlt die Kasse Akupunktur?

Gesetzliche Kassen zahlen Akupunktur bei chronischen Rückenschmerzen und Kniegelenks-Arthrose (Indikationen fest geregelt). Privatversicherte bekommen meist alle medizinisch begründeten Indikationen erstattet.

Wie viele Sitzungen brauche ich?

Klassisch sind 10 Sitzungen eine Behandlungsserie. Bei guter Reaktion reichen manchmal 5–6. Bei chronischen Beschwerden können Erhaltungsbehandlungen im Abstand von Wochen sinnvoll sein.

Spielt das Wirkung verschiedener Akupunkturstile eine Rolle?

Ja, aber weniger als oft angenommen. Chinesische Akupunktur, Japanische Akupunktur, Ohrakupunktur (Auriculotherapie), Trigger-Punkt-Akupunktur — jede hat ihre Spezialindikationen. Entscheidend ist die Qualifikation der Behandelnden.

Akupunktur in der Schwangerschaft — sicher?

Ja, von qualifizierten Ärzt:innen durchgeführt. Sogar empfohlen bei Schwangerschaftsübelkeit, Rückenbeschwerden, Geburtsvorbereitung. Bestimmte Punkte müssen gemieden werden — wichtig, dass die Behandelnde das weiß.

Chronische Rücken-, Nackenschmerzen oder Migräne — und Schmerzmittel allein helfen nicht dauerhaft? Akupunktur kann ein wichtiger Baustein sein. Zur Warteliste →

IL
Dr. Ina Lohmann
Fachärztin · Hämato-Onkologie · Naturheilverfahren
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