Praxis · 27.08.2025 · 4 Min Lesezeit

Schlafstörungen ärztlich einordnen — bevor das Schlafmittel kommt

Auf einen Blick
Schlafstörungen sind selten isoliert — fast immer steckt eine Ursache dahinter: Hormone, Cortisol, Eisen, Mikronährstoffe. Wie wir strukturiert suchen, bevor wir Tabletten verschreiben. Die vier typischen Ursachenbereiche und was wirklich hilft.

Wenn du nachts wach liegst — und der Hausarzt dir nach drei Minuten ein Schlafmittel verschreibt, ohne die Ursache zu kennen — dann läuft etwas schief. Schlafstörungen sind das häufigste Symptom in meiner Praxis. Und sie sind fast nie ein isoliertes Phänomen. Bevor ein Hypnotikum sinnvoll ist, müssen wir verstehen, was den Schlaf kaputt macht.

Wie viele Stunden Schlaf brauchen wir wirklich?

Die Empfehlung der American Academy of Sleep Medicine liegt für Erwachsene bei 7–9 Stunden pro Nacht. Für ältere Menschen etwas weniger (7–8). Individuell gibt es Kurz- und Langschläfer, aber die Spanne unter 6 Stunden ist bei fast allen gesundheitlich riskant.

Chronischer Schlafmangel unter 6 Stunden pro Nacht ist assoziiert mit erhöhtem Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depression und bestimmte Krebsarten.

Institute of Medicine, Sleep Deprivation and Health

Welche Formen von Schlafstörungen gibt es?

Was sind die häufigsten Ursachen?

Hormonell

Stoffwechsel

Psychisch

Lebensstil und Umgebung

Welche Diagnostik hilft?

Vor jedem Schlafmittel: strukturierte Ursachensuche.

Was wirklich hilft — ohne Tabletten

Schlafhygiene (Basics, die wirken)

Konkrete Mikronährstoff-Optionen

Bei Frauen in der Perimenopause

Bioidentisches Progesteron (Utrogestan 100 mg abends) ist oft der eine Hebel, der Jahre von Schlafproblemen löst. Wird immer noch viel zu selten angeboten — dabei ist die Evidenz klar.

Wann sind Schlafmittel sinnvoll?

Kurzfristig, gezielt, zeitlich begrenzt — ja. Als Dauerlösung — nein. Benzodiazepine und Z-Substanzen (Zopiclon, Zolpidem) machen abhängig und stören die Schlafarchitektur. Wenn überhaupt:

Wann solltest du zur Ärztin?

Wenn Schlafprobleme länger als 4 Wochen bestehen, dich im Alltag einschränken und nicht auf Schlafhygiene ansprechen. Auch wenn dir jemand erzählt, du schnarchst lautstark oder Atemaussetzer hast — das gehört sofort abgeklärt.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es, bis Schlafhygiene wirkt?

Bei konsequenter Umsetzung: 2–4 Wochen. Die ersten Nächte können sogar schlimmer werden, bevor es besser wird. Durchhalten.

Ist Schnarchen immer harmlos?

Nein. Lautes Schnarchen mit Atemaussetzern (Schlafapnoe) ist behandlungsbedürftig. Es erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt deutlich. Unbedingt abklären.

Was ist von Schlaf-Tracker-Apps zu halten?

Sinnvoll für Muster-Erkennung (Schlaflänge, regelmäßigkeit). Ungenau für Schlafphasen. Bei hypersensiblen Menschen problematisch — dann wird die App selbst zum Schlafstörer.

Hilft Sport gegen Schlafstörungen?

Ja, deutlich. Moderate körperliche Aktivität verbessert Schlafqualität und -tiefe messbar. Aber: nicht nach 20 Uhr, sonst aktiviert es eher.

Schlafstörungen, die trotz Tabletten und Schlafhygiene nicht weggehen? In meiner Praxis suchen wir strukturiert nach der Ursache. Zur Warteliste →

IL
Dr. Ina Lohmann
Fachärztin · Hämato-Onkologie · Naturheilverfahren
𝕏 in @ 🔗